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Dieses Thema hat 23 Antworten
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metOLLIca Offline

Heavy Metallifux

Beiträge: 1.489

16.03.2011 06:50
#16 RE: Japan Antworten

Die Frage bei der Geschichte ist doch nicht, warum jetzt ganz genau diese Katastrophe eingetreten ist. Denn natürlich kommt diese Ursache bei uns nicht in Frage. Was doch viel wichtiger ist: offensichtlich werden beim Bau dieser Kraftwerke Sicherheitsmaßstäbe- und Kriterien verwendet, die absolut nicht bis zum Ende durchdacht sind. Ein Erdbeben kombiniert mit einem Tsunami, das ist doch ein seit Ewigkeiten bekanntes Problem. Und da sehe ich die Schwäche: es wird Sicherheit vorgegaukelt, wo keine ist. Ist ja auch klar, man muss die Atomenergie ja so günstig rechnen wie möglich.
Der Weg zu neuen Technologien - und das ist der Knackpunkt - kann nur über Anreize aus der Politik gegangen werden. Eine marktgetriebene Entwicklung wird es so schnell nur begrenzt geben, da Atomenergie nunmal schlichtweg die auf den ersten Blick günstigste Variante ist.

- - - -
metOLLIca - formerly known as "the creeping death"

King_Nothing Offline

Lateral Fault Line


Beiträge: 8.088

16.03.2011 13:11
#17 RE: Japan Antworten

Zitat von HeTill
Dass King da aber auch noch mitmacht, enttäuscht mich allerdings sehr. Etwas mehr Dialektik hätte ich mir da schon erwartet.

Watt? Dianetik? Kenn ich... is' dieser lustige Verein mit den Blechbüchsen für die Hände

Ansonsten nehme ich mir das Recht unfair zu sein und am Thema vorbeizuschwafeln. Ist in letzter Zeit so üblich...



Saber Rider Offline

Godfather of Metal


Beiträge: 6.461

16.03.2011 18:19
#18 RE: Japan Antworten

^ wär das jetzt ein post auf facebook würde ich so hart auf 'like' klicken, dass meine Maus in tausend Teile zerspringen würde.



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Saber Rider Offline

Godfather of Metal


Beiträge: 6.461

17.03.2011 19:31
#19 RE: Japan Antworten

Schaut so aus als wird Japan langsam aber sicher evakuiert.

Es werden immer höhere Strahlenwerte gemessen und die Nachbeben wollen scheinbar einfach nicht aufhören.


Panik hin oder her, ich glaub das wär einer der letzten Orte an dem ich mich gerade befinden wollen würde.



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S.O.D Offline

ME†AL MESSIAH


Beiträge: 6.630

18.03.2011 21:15
#20 RE: Japan Antworten

Zitat
Fangen wir an:
Japan hat momentan mit drei Krisen zu tun. Erdbeben mit 9,0 auf der Richterskala, ein gewaltiger Tsunami und nun auch noch ein (Super-?)GAU. Ich will momentan nicht sagen, was davon die schlimmste ist. Das steht mir auch nicht zu. Die ersteren beiden sind aber unvermeidbar und man muss die japanischen Architekten loben, dass "nur" so wenig passiert ist, wie passiert ist. Zum Vergleich: bei dem massiven Erdbeben auf Haiti waren es gerade mal 7,0. Mit Geld können die Leute erst einmal wenig anfangen, wichtiger sind Anziehsachen, da es dort schweinekalt ist.
Kommen wir nun zu den AKWs:
Japan ist technologisch auf ähnlichem Stand wie wir auch. Und den GAU gab es nicht, weil es ein Erdbeben oder ein Tsunami gab, dies waren lediglich die Auslöser. Das Problem ist ein ganz einfacher Stromausfall – und diesen kann es, ohne groß Angst machen zu wollen, überall geben. Dass sowas passieren kann ist keine neue Erkenntnis, es wurde aber immer als höchst unwahrscheinlich angenommen. Es gab dazu auf FAZ.Net (laut King darf man darauf ja jetzt noch verweisen) einen guten Artikel von einem Mathematikprofessor , da ich gerade im Zug sitze, finde ich ihn auf die schnelle leider nicht.



Da muss ich HeTill aber etwas wiedersprechen - ich glaube der Grund für den "GAU" war der Tsunami - klar ist es der Strohmausfall im Eigentlichen - aber der würde bei uns durch etliche Ersatzstromquellen ausgeglichen werden. Benzingeneratoren könnte man da Wochenlang wenn nötig, laufen lassen. In Japan hat der Tsunami aber auch das alles zerstört - und dass war das eigentliche Problem. Bei uns hingegen ist schon von der Geographie her so etwas sehr unwahrscheinlich - Erdbeben und Tsunamis gibt es bei uns nicht. Wäre auch zu überlegen, rund um den Globus AKW's die nahe tektonischer Platten liegen abzuschalten und "Neubauten“ dort zu verbieten. Ist für mich so oder so der größte Schwachsinn der Japaner, Quassie auf dem „Ring of Fire“ ein AKW zu bauen. Hätten sie das Scheiß Ding auf die andere Seite der Insel gebaut, wäre so ein Mist vielleicht nicht passiert. AKW’s direkt ans Meer setzen schein keine gute Idee zu sein.

Zitat
ich finde es total angemessen, die geschehnisse mit deutscher politik und sicherheitsfragen in deutschland zu verknüpfen.
natürlich haben die dinge in japan ein ganz anderes ausmaß. aber kritisieren nicht sonst immer alle, dass andere probleme sonst immer hinter solchen themen verschwinden?



da muß ich paxel zustimmen - wenn ich das in Japan sehe und Philippsburg grad mal 3km weg von mir ist - habe ich echt keinen Bock auf so einen Scheiß. Ich habe bald 2 Kinder die in 50-60-70 Jahren hier auch noch wohnen wollen/sollen/können - und egal was die Zukunft bringt, ist eine Abschaffung dieser "unsichtbaren Bombe" vor meiner Haustür, nichtgerade unwichtig für mich. Und so könnten die Geschehnisse in Japan vielleichte doch noch etwas "positives" haben. Aber wer über Abschaltung von AKW‘S nachdenkt - muss sich gleichzeitig Gedanken über alternative Energiequellen machen > Thema Sonne, Luft und Wasser. Da halte ich die hauseigne Solaranlage für nicht gerade unwichtig. Kann sie je nach Größe mehr Strom produzieren als man brauch, und man kann den Überschuss in's Stromnetz einspeisen und bekommt sogar noch Geld dafür. Sonne gibt es überall auf der Welt - da kann jeder Strom draus machen. Es sollte auch eingeführt werden dass alle Firmen ihren Strom über Sonne, Wind und Wasser selber erzeugen sollten.


Bye
S•O•D

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King_Nothing Offline

Lateral Fault Line


Beiträge: 8.088

22.03.2011 22:53
#21 RE: Japan Antworten

Obwohl immer noch nicht alles vorbei ist, habe ich jetzt mal etwas Abstand gewinnen können und gebe mal meine 2 Cents zum Thema.

Man kann zwar weder sagen, dass ich Japanexperte bin, noch dass ich die Sprache spreche, aber schon seit mindestens 10 Jahren fasziniert mich Japan. Ich habe auch 1 1/2 Semester die Sprache gelernt, aber den Sprachkurs musste ich abbrechen, weil das Studium zu intensiv wurde. Dennoch habe ich nur rudimentäre Kenntnisse über Japan, darunter zweifelsohne auch einige Vorurteile. Mir geht daher die ganze Situation entsprechend an die Nieren, eben weil es nicht ein x-beliebiges Land getroffen hat, sondern "mein" Japan... so ehrlich muss ich sein. Vielleicht wird ja so klar, dass diese deutsche Diskussion über deutsche Themen vor dem Hintergrund der Geschehnisse in Japan für mich schwer zu ertragen ist. Andere mögen das anders sehen, und das verständlicherweise und womöglich auch zurecht.

Im folgenden möchte ich die Parteipolitik lieber außen vor lassen, denn daran müht man sich eh nur umsonst ab. Gerade in dieser Diskussion ist es müßig darüber zu reden, denn eine nachhaltige Energiepolitik kann keine Partei anbieten, geschweige denn durchsetzen. Das soll als Feststellung einer Tatsache in der gegenwärtigen Politik genügen.

Was ist also mein Problem? Gute Frage. Eines habe ich ganz oben schon angesprochen, und das ist auch nicht weiter spektakulär. Gerade anhand dieser Krise ist mir für mich einiges klar geworden, was vor dem Tōhoku-Beben nur ein ungutes Gefühl war.

1. Unsere Medien versagen darin, uns belastbare Informationen, frei von Ideologie zu liefern
2. Die Mehrheit will keine unvoreingenommene Berichterstattung, weil sie eh das glauben will, was sie sowieso schon denkt
3. Unsere Welt ist zu komplex für einfache, moralisch einwandfreie Lösungen


1.
Diese Katastrophe ist einerseits durch die schiere Masse an Informationen schwer zu durchschauen, gleichzeitig sorgt diese Masse aber auch dafür, dass etwas zutage tritt, was sonst nicht auffällt: dass es nicht DEN objektiven Standpunkt gibt, sondern nur eine Menge subjektiver Meinungen. Klingt simpel, kann man sich auch so denken? Klar, nur trifft das eigentlich nur auf solche Themen wie die Aufstellung der Nationalelf zu, nicht aber auf das, was wir von Experten zu erwarten haben. Bei dieser Masse an Artikeln, Kommentaren, Einschätzungen, usw. fiel mir irgendwann auf, dass verschiedenste, unabhängige Experten auf dem Gebiet der Strahlenbiologie sich komplett widersprachen. Der eine sagt, dass selbst bei einem GAU keine Gefährdung für Tokio anzunehmen ist, während der andere schon von einer humanitären Katastrophe, einer dauerhaften Evakuierung weiter Landesteile spricht. Es geistern Zahlen, Studien und Meinungen umher, mit denen man am Ende nur weiß, dass man nichts weiß. Auf der einen Seite seien Kernkraftwerke in der Relation trotz einigen wenigen spektakulären Unfällen weniger bedenklich als Kohlekraftwerke, auf der anderen Seite ist die Kernkraft stellvertretend für alles Übel, das der Mensch anrichtet und Beweis für seine absolute Überforderung. Was darf ich glauben? Ich muss es eigentlich mit mir selber ausmachen, denn abseits der Expertenmeinung helfen Journalisten mit dem, was sie oft als Information interpretieren nicht weiter. Sie spitzen zu, übertreiben, gewichten, lassen aus, und das zunehmend so, dass das Thema eine heftige Schlagseite bekommt. Wohlgemerkt: Journalismus ist und war stets auch darauf bedacht, etwas interessant zu verpacken, wobei so einiges an Informationen zwangsläufig fehlen muss. Aber zumeist konnte man noch auf die Einhaltung der Struktur von "These-Antithese" hoffen. Heute allerdings scheint es so zu sein, dass die markigen Worte und Bilder sich besser verkaufen, sich so ein markanter Aufmacher "Fukushima. Das Ende des Atomzeitalters" besser macht als "Fukushima. Quo vadis, Erde?".
Ich habe ja SPON sehr für deren aktuelle Haltung gescholten, aber ich sehe mich durchaus im Recht. Es scheint so, als ob nur noch die Bild die größere Erektion bekommt, wenn es um Sensation und Tragödie geht. Unlängst hat SPON sogar das Titelbild (wahrscheinlich) anlässlich der Erdbebenkatastrophe auf volle Spaltenbreite vergrößert, damit wohl extra viel Leid zu sehen ist. Ich vermisse nichts, nachdem ich SPON gestrichen habe. Denn bei aller Kritik an den Medien gibt es einige, die noch recht gute Arbeit abliefern und einige wertvolle, sachlich neutrale Artikel rausbringen. Mit der Zeit, FAZ und Tagesschau.de fahre ich gerade relativ gut.

2.
Ein Gefühl, dass mir auch nicht neu ist, hier aber auch wieder stark in Erscheinung tritt. Im Gegensatz zu alten, französischen Männern halte ich von Empörung nicht viel, da sie nur schwer von Hysterie zu trennen ist und sie meist ohne Argumente auszukommen meint. Gefühle sind oft schlechte Berater, denn es sind Gefühle, die Thilo Sarrazin zu seinem Erfolg verholfen haben. Und es sind Gefühle, die einem sagen dass man jetzt sofort keine Atomkraft mehr haben will. Damit will ich Atomkraftgegner auf keinen Fall mit Herrn Sarrazin vergleichen. Ich für meinen Teil kann mir auch eine Welt ohne Atomkraft vorstellen, aber dazu komme ich noch im nächsten Absatz. Was ich meine ist: Gefühle bringen uns in der Integrationsdebatte nicht voran, und Gefühle bringen uns nicht voran, wenn es um die Zukunft der Energieversorgung geht. Es reicht nämlich mitnichten einen Döner extra pro Monat zu kaufen und besonders freundlich dabei zu sein, und es reicht auch nicht zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. Aber auch hierzu mehr in Absatz Nummer 3.
Das Problem, das wir haben, ist eine Überlastung mit Informationen, wobei das auch nur ein Teilproblem ist. Denn andererseits ermöglicht die Vielzahl an frei zugänglichen Informationen eine Sicht der Dinge, die uns ohne die "Überlastung" gar nicht erst zur Verfügung stehen würde. Diese populäre Kritik ist also nur zur Hälfte wahr. Während viele zwar auch eine Informationsüberlastung erleben und daher lieber auf gewohnte "Informationskost" zurückgreifen, so ist es vor allem kognitive Dissonanz, die unsere Meinungen so konstant hält. Jeder hat das schon einmal erlebt: Man meint man sei im Recht, doch plötzlich behauptet jemand etwas anderes, und seine Begründung klingt schlüssig. Man würde ihm auch glauben, wenn es nicht gegen das eigene Selbstkonzept verstoßen würde. Also weist man zurück, was dieser Mensch sagt, und versucht sich selber einzureden, dass man selber eben doch Recht hat - obwohl man ja eigentlich weiß, dass man im Unrecht ist. Eine Aufarbeitung des eigenen Standpunktes und damit z.T. auch der eigenen Person bedeutet großen Stress, den man durch Leugnen oder Schönreden umgeht. Wenn man eine Prüfung versemmelt neigt man auch eher dazu zu sagen, dass der Prüfer unfaire Fragen gestellt hat, als den Grund für das schlechte Abschneiden in seiner eigenen schlechten Vorbereitung zu suchen.
Vielleicht habe ich ja gar kein positives Selbstbild von mir, zumindest nicht in gesellschaftlicher Hinsicht. Vielleicht fällt es mir deswegen so oft auf, dass Leute scheinbar blind einem Dogma hinterherlaufen. Nicht, weil ich ihre Meinungen für falsch halte, oder selber meine es besser zu wissen... sondern weil es mich oft sprachlos macht, mit welcher Verve, Selbstsicherheit und zum Teil Arroganz sie ihre Thesen vertreten. In Zeiten wie diesen fällt es sehr auf, wenn diese Leute mit einer grenzenlosen Überzeugung ihre Meinung von den Dächern schreien. Es will immer jemand zuerst gewusst haben, und diese Leute meinen auch immer genau zu wissen, warum dieses und jenes so ist. Ein kleiner Teil mag alleine statistisch gesehen nahe an der Wahrheit liegen, aber die Chance dass sich diese Meinung durchsetzt ist sicher ähnlich gering. Das ist mir zu unsicher, das gefällt mir nicht. Es tut mir leid, aber ich hätte gerne eine ehrliche Diskussion, ohne Denk- und Redeverbote, in der nicht das richtige, oder emotionale Argument siegt, sondern das Beste.

3.
Eigentlich folgt für mich aus dem letzten Absatz dieser Punkt. Am aktuellen Beispiel: Kernkraft ist böse, Kernkraft muss weg, Ökostrom her, und zur Not kommt Strom entweder aus anderen Ländern oder aus der Steckdose.
Unser Wohlstand und unsere Kultur sind einfach an einem Punkt angekommen, an dem es höchstwahrscheinlich kein Wunschkonzert geben kann. Wir sind in einem ständigen Zwist zwischen Verantwortungsethik und Gesinnungsethik. Atomausstieg? Ja, bitte. Löst das unsere Probleme? Nein, es schafft neue. Es ist leider nicht so einfach, dass man Solarzellen installiert und Windkraft nutzt. Es wäre schön, wenn das alles wäre. Leider fehlen die Möglichkeiten die unstete Energie aus der Natur zu speichern. Wind und Sonne sind nicht immer da, also wird idealerweise (ich kenne keine Alternativen, da ich da kein Experte bin... aber was heißt schon "Experte sein"? ) Wasser mit Pumpspeicherwerken in höhere Lagen gepumpt, wenn genug Energie da ist. Herrscht Windstille oder ist es bewölkt, kann das Wasser durch das Gefälle Turbinen antreiben und der Kreislauf kann sich wiederholen. Leider stellen sich viele Menschen gegen Pumpspeicherwerke in ihrer Nähe, aus Gründen die ich nicht kenne. Was ich sagen will: alles hat Kosten und Risiken, und wir sollten anfangen uns dieser Faktoren gewiss zu werden um sie entsprechend abzuwiegen. Eine Alternative dazu gibt es nicht. Unsere gesamte Gesellschaft kann sich leider (und das zum Glück) nicht mit ein paar Kühen, Schweinen, Hühnern und ein wenig Getreide aufs Land verziehen und sich selber auf simple Weise selbst versorgen. Das werden wir nicht mitmachen, und das ist auch gut so. Nur müssen dann eben Mittel und Wege gefunden werden, die nie perfekt sind. Die Diskussionen in unserer Gesellschaft lassen allerdings den Anschein erwecken, als ob alles einfach und unbedenklich sei, wenn man es nur richtig macht. Das ist aber erstens nicht möglich weil nichts zu 100% unbedenklich ist und zweitens nicht möglich, weil der Mensch nie alles richtig macht... siehe Fukushima Daiichi

Ich hoffe, das war jetzt Dialektik genug. Wenn ihr es anders seht, dann bitte sagt mir warum ihr es so seht, ich will ja schließlich dazulernen... oder nutzt es als Denkanstoß. Wie auch immer... das ist derzeit meine Sicht der Dinge.



King_Nothing Offline

Lateral Fault Line


Beiträge: 8.088

28.03.2011 22:31
#22 RE: Japan Antworten

Keiner? Ernsthaft? Oh Mann... wie enttäuschend



Child of the Wicked Offline

Resident Mädchenschwarm of Death


Beiträge: 7.383

29.03.2011 12:57
#23 RE: Japan Antworten

TL;DR.




Es ist doch schon lange so, dass man sich aus all den lautschreienden Medienberichten, soweie u.U. auch noch aus unabhängigen Blogs, selbst sein Bild machen muss. Bzw. machen kann, denn unbedingt schlecht finde ich das in vielerlei Hinsicht nicht. Wenn sich anerkannte oder selbsternannte Experten zu ein und demselben Thema jedoch in einer Weise widersprechen, die wissenschaftlich nicht mehr zu erklären ist, gibt das schon zu denken. Wer hat recht? Einer von beiden, oder keiner? Warum tätigt im Zweifel einer eine offensichtliche Falschaussage? Wurde er von Medienvertretern dazu getrieben, oder hat er es selbst lanciert?
Über SPON brauchen wir hier imho nicht diskutieren, dass gehaltvollste auf den Seiten waren in den letzten Monaten meist die "Schrägen Schilder". Der breite Aufmacher ist mir auch in Bezug auf Japan das erste Mal aufgefallen, allerdings haben sie den seither auch bei anderen großen Themen gebracht (z.B. Wahlsieg in BaWü).

In gewisser Weise haben wir heute das Problem, dass es relativ leicht ist, an Informationen ranzukommen. Da das aber so leicht ist, sind diese Informationen häufig mit Meinugen verwässert. Grade SPON (jetzt komm ich doch nochmal drauf zu sprechen) ist das letzte Jahr über gefühlt nochmal deutlich tendenziöser und wertender geworden. Es ist im Grunde richtig, dass es nicht DEN objektiven Standpunkt gibt, da es bei nahezu allen Themen kein eindeutiges richtig oder falsch gibt, und unterschiedliche Betrachtuingsweisen daher nicht nur zulässig, sondern sogar wünschenswert sind. Andernfalls hätten wir chinesische Verhältnisse. Das inhärente Problem ist aber, dass diese Vielfalt gleichzeitig dazu führt, dass viele automatisch hauptsächlich die Berichte lesen, deren Standpunkt dem eigenen am nächsten ist. Die Beschaffung von Informationen verkommt so zur Bestätigung des ohnehin schon festgefahrenen eigenen Weltbildes.

Deinen Punkt "Es bringt nichts, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln" kann ich nicht nachvollziehen. Vorraussetzung ist, dass der gewählte Anbieter natürlich wirklich ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen bezieht, und nicht im Ausland Atomstrom einkauft. Alles andere übernimmt (theoretisch) der Markt. Größerer Zulauf zu Ökostrom-Anbietern führt zu größerer Nachfrage bei Ökostrom-Erzeugern. Die erwirtschaften dadurch größere Gewinne und können weitere Kapazitäten schaffen. Gleichzeitig verlieren die großen Stromkonzerne Kunden, was zwangsläufig dazu führt, dass sie sich im Bereich Ökostrom besser positionieren müssen, um diese Verluste zu begrenzen.
Natürlich ist es logisch, dass man nicht von jetzt auf nachher nur noch Strom aus regenerativen Quellen nutzen und die Atom- und Kohlekraftwerke abschalten kann. Aber man kann seinen kleinen Teil dazu beitragen, dass die eigenen Stromkosten den 'richtigen' Energien zugute kommen.

Das ganze hat jetzt mit Japan irgendwie nichts mehr zu tun, aber was solls.

King_Nothing Offline

Lateral Fault Line


Beiträge: 8.088

29.03.2011 18:12
#24 RE: Japan Antworten

Zitat von Child of the Wicked
TL;DR.

Meh...

Zitat von Child of the Wicked
Deinen Punkt "Es bringt nichts, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln" kann ich nicht nachvollziehen. Vorraussetzung ist, dass der gewählte Anbieter natürlich wirklich ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen bezieht, und nicht im Ausland Atomstrom einkauft. Alles andere übernimmt (theoretisch) der Markt. Größerer Zulauf zu Ökostrom-Anbietern führt zu größerer Nachfrage bei Ökostrom-Erzeugern. Die erwirtschaften dadurch größere Gewinne und können weitere Kapazitäten schaffen. Gleichzeitig verlieren die großen Stromkonzerne Kunden, was zwangsläufig dazu führt, dass sie sich im Bereich Ökostrom besser positionieren müssen, um diese Verluste zu begrenzen.
Natürlich ist es logisch, dass man nicht von jetzt auf nachher nur noch Strom aus regenerativen Quellen nutzen und die Atom- und Kohlekraftwerke abschalten kann. Aber man kann seinen kleinen Teil dazu beitragen, dass die eigenen Stromkosten den 'richtigen' Energien zugute kommen.

Da habe ich mich beschissen ausgedrückt. Es ging mir in diesem Absatz nicht um das Thema Ökostrom, sondern eher zum einen wie wir dahin kommen. Denn das wird mitnichten alleine der Markt regeln. Der anteil an erneuerbaren Energien mag steigen. Im Moment haben wir aber die Situation, dass an der Strombörse zu Spitzenzeiten Unternehmen mit Speicherkapazitäten (überwiegend im Ausland) Geld dafür bezahlt (sic!) wird, dass sie uns unseren Strom abnehmen. Die lassen dann die bereits erwähnten Pumpspeicherwerke volllaufen, womit sie wieder Energie erzeugen, wenn Energieengpässe entstehen. Schlimmstenfalls wird uns aus dem Ausland also wieder unser eigener Strom verkauft, den wir eigentlich mit Zugaben verschenkt haben. Doch auch ohne dieses Worst-Case-Szenario ist die Infrastruktur momentan noch zu unsicher, und es gibt anscheinend keinen Plan den erneuerbaren Energien ein Speicherkonzept an die Seite zu stellen. Wir reden nur über Einspeisevergütung und Offshore-Parks, aber Speichertechnologien werden nicht thematisiert. Heißt: wir verschenken weiter Strom, und bei Engpässen werden halt wieder Gaskraftwerke angeworfen, die wiederum CO2 erzeugen. Gegen Pumpspeicherwerke laufen in Deutschland aber anscheinend (habe es bisher nur in einem Artikel gelesen) die Bürger der jeweiligen Region Sturm, da sie XYZ befürchten. Diese Geisteshaltung zieht sich momentan von Stuttgart21 bis zur CO2-Abscheidung und Speicherung quer durch Deutschland. Und das ist das Problem (und der Punkt, den ich mit diesem Absatz eigentlich ansprechen wollte). Die Mehrheit in unserem Lande mag entscheiden, dass sie keine Kernkraftwerke mehr will. Okay, dann soll es so sein, vollkommen legitim (und wir wollen jetzt nicht über den Bezug von Kernenergie oder Niedergang von radioaktivem Fallout aus dem Ausland reden). Nur sollte man sich eingestehen, dass dies größtenteils aus Angst vor etwas entsteht, was man nicht versteht. Radioaktivität macht Angst, weil man es nicht sieht, schmeckt oder riecht. Da wird jede noch so kleine Konzentration von Radionukliden sofort zum Skandal. Tschernobyl ist 25 Jahre nach der Katastrophe auch ohne Fukushima noch Thema. Aber wer redet noch von Kolontár, bzw. wer weiß noch wer oder was Kolontár ist? Eine Debatte über fatale Chemieunglücke und die stärkere Reglementierung der chemischen Industrie in Deutschland gab es auch nicht. Damit möchte ich nicht sagen, dass es nicht wert ist über den Austieg aus der Kernkraft zu sprechen. Auch möchte ich die Kernkraft nicht verharmlosen. Die Debattenkultur in Deutschland, wie jetzt am Beispiel Kernkraft zu sehen, ist sehr von Hysterie geprägt. Es kommt mir so vor, als wird der Ausstieg aus der Kernkraft fast nur aus der Angst vor ihr begründet, anstatt aus den ökologischen und insbesondere der ökonomischen Vorteile der Entwicklung und Forschung im Bereich regenerativer Energieerzeugung.

Ich fühle mich unwohl und es gibt mir zu denken, wenn ich sehe dass wir anscheinend so sehr ängstlich sind, anstatt mutig zu sein. Es ist doch nicht normal, dass wir uns mit einer schrecklichen Nachricht zufrieden geben, anstatt zu hinterfragen ob alles wirklich so schlimm ist. Atomkraft, Dioxin, Terrorismus, BSE... macht mir alles überhaupt keine Angst. Vergrabt meinetwegen radioaktiven Abfall 800m unter meiner Wohnung... ich werde wohl eh eher an Prostatakrebs, Herzinfarkt oder einem Aneurysma sterben. Bis es so weit ist können wir gerne die Welt zu einem besseren Ort machen... das wird sie aber nicht alleine dadurch, indem wir morgen alle Atommeiler in Deutschland abschalten, sondern einen vernünftigen Plan für die Energieversorgung der Zukunft aufstellen und umsetzen



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